Donnerstag, 2. Juli 2015

Weniger Content, mehr Qualität!

Die globale Content-Produktionsmaschinerie läuft auf Hochtouren – dadurch gelangen auch immer mehr inflationäre Inhalte ins Web. Aus Zielgruppensicht ist deren Nutzen wohl eher überschaubar. Insbesondere allzu zwanghaftes fachliches Bloggen kann dabei immens nerven, wenn in den Beiträgen nichts wirklich Neues gesagt wird. Ein Plädoyer für mehr Qualitätscontent.


Einer der häufigsten Tipps an Blogger lautet, pro Woche mindestens einen Beitrag zu veröffentlichen. Oder wenigstens alle zwei Wochen. Dadurch sollen die Leser bei der Stange gehalten werden, heißt es. Naja, kommt eben drauf an … Denn letztlich wird so nur viel zu viel Ausschussware ins Web gedrückt.

In Zeiten eines drastisch zunehmenden Content-Wettbewerbs sollte schließlich nicht die Frequenz an sich zur Maxime erhoben werden, sondern vielmehr die Qualität des Outputs (Leseempfehlung: Warum es sich lohnt, einen Blick auf die Content-Qualität zu werfen von Klaus Eck). Daran hapert es aber oftmals.

Insofern zäumt man mit dem obigen Ratschlag das Pferd von hinten auf, und eben deshalb geht auch mehr und mehr überflüssiger Content online. Aus Sicht vereinzelter SEOler mag das ja noch irgendwie sinnstiftend sein. Der Nutzen für die Zielgruppe indes hält sich in Grenzen.

Viel lieber wäre mir es, wenn sich vor allem Fachblogger (um die es mir hier primär geht) nur dann zu Wort meldeten, wenn sie auch wirklich was zu sagen haben. Idealerweise etwas Neues. Als Fachleser jedenfalls geht mir redundanter Content mittlerweile mächtig auf den Zeiger. Und richtig schlechter sowieso.

Von Angebot und Nachfrage


Okay, es gibt natürlich auch Blogger und Corporate Blogs (mit mehreren Autoren), die Woche für Woche hochwertige Inhalte mit Aha-Effekt an ihre Zielgruppen ausliefern können. Dann ist gegen hochfrequentes Publizieren grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Vor allem, wenn damit eine relativ breitgefächerte Zielgruppe angesprochen wird.

Ist dies allerdings nicht der Fall, so frage ich mich, ob das alles überhaupt noch in entsprechender Regelmäßigkeit gelesen wird? Oder anders ausgedrückt: Die Leute klicken ja nicht plötzlich wie von Sinnen alle brandneuen Beiträge an, nur weil das Angebot an Content immer größer wird. Ich meine, wer hat schon so viel Zeit …? Und wenn die vielbeschworene Relevanz der Inhalte das Salz in der Suppe ist, dann wird die gesamte Brühe aus den genannten Gründen derzeit leider immer dünner.

Ein Beispiel: Alleine das Lesen aller sicherlich gutgemeinten Ratgeberbeiträge zur Erstellung "bombastischer Inhalte mit sensationellen Überschriften" dürfte längst schon an die Dauer der Kerkerhaft von Edmond Dantès in Alexandre Dumas' Der Graf von Monte Christo heranreichen. Eine schlimme Vorstellung, müsste man sich all dies zur Strafe reinziehen. Zumal diese Beiträge nur höchst selten bahnbrechende Neuigkeiten bieten. Ganz davon zu schweigen, dass manche der darin enthaltenen "Tipps" erfahrene Autoren durchaus das Grauen lehren können.

Das Kreuz mit den Abonnements 


Die Wahrheit ist: Obwohl ich selbst einige echt tolle Blogs abonniert habe, lese ich diese längst nur noch punktuell. Oder genauer: immer selektiver. Für alles andere fehlt mir schlicht und bescheiden die Muße – und immer öfter auch einfach das Interesse. Dies hat zur Folge, dass ich weit mehr als die Hälfte aller per Mail eintrudelnden Abo-Artikel nach ein oder zwei Wochen mit einem Anflug schlechten Gewissens unangeklickt in den Papierkorb bugsiere. Und zwar unabhängig von der Güte des jeweiligen Absenders. Da bin ich mit Sicherheit kein Einzelfall.

Einen Großteil der für mich wichtigen Beiträge verpasse ich ja trotzdem nicht. Davor bewahrt mich glücklicherweise das Social Web. Dort nämlich werden tatsächlich relevante Inhalte eifrig geteilt und leidenschaftlich diskutiert. Eine prima Filterfunktion, wie ich finde, da guter Content auf diese Weise ein so hohes Maß an Sichtbarkeit erlangt, dass ich über kurz oder lang geradewegs mit der Nase drauf gestoßen werde und mich dann irgendwann ebenfalls damit beschäftige. Sofern ich entsprechend vernetzt bin, versteht sich. Aber das ist ein anderes Thema.

Hinzu kommt, dass ich mir darüber hinaus all das zusammengoogel, was ich sonst noch so für meine Arbeit als PR-Freelancer oder privat brauche. Und da Google im Suchmaschinenergebnis zunehmend die Spreu vom Weizen trennt, fällt zumindest grottenschlechter Content dort in aller Regel von vornherein durchs Raster. Das ist gut so.

Mehr Content als die Welt braucht


Dennoch bleibt es dabei: Es gibt bereits jetzt zu so gut wie jedem Thema mehr Content, als in einem durchschnittlichen Tarantino-Streifen das Wörtchen "Fuck" fällt. Nur allzu oft muss ich mich also auch bei der Google-Suche erst einmal durch einen ganzen Berg für mich unnützen Zeugs ohne "Nachrichtenwert" wühlen.

Daher halte ich es für weitgehend sinnfrei, wenn Blogger geradezu zwanghaft ihr Soll zu erfüllen versuchen, indem sie allerhand inflationäre Inhalte in die Welt setzen. Zielgruppen tut man damit keinen Gefallen. Und sich selbst auch nur bedingt.
Insofern spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, wenn man nach einer emsigen Startphase von ein oder zwei Jahren mal einen Gang zurückschaltet. Denn hat man bis dahin überwiegend guten Stoff produziert, so haben einen die Leute ohnehin auf dem Schirm. Mindestens ein Blog-Beitrag sollte es pro Monat aber sein. Sonst geht die Sichtbarkeit flöten.

Verknappung erhöht den Reiz 


Und noch einmal: Selbstverständlich darf es auch mehr sein – sofern man den Fokus auf Qualitätscontent mit faktischem Nutzen für die Zielgruppe legt und dabei vorzugsweise wichtige neue Themen anspricht. Letzteres habe ich ja bereits vor einigen Monaten in meinem etwas verkopften Beitrag Wie Unternehmen mit antizipativer Kommunikation punkten können angesprochen.

Nur sollte man selbst dann nicht davon ausgehen, dass einem jeder einzelne Beitrag förmlich aus den Händen gerissen wird. Egal wie hochwertig, relevant oder was auch immer er nun sein mag. Außerdem erhöht Verknappung erwiesenermaßen den Reiz. Reine Stangenware dagegen dürfte ob des Überangebots im Web in Zukunft immer seltener goutiert werden.

Stellen Sie sich doch einfach mal vor, Eiscreme würde ab morgen nichts mehr kosten: Schlagen Sie sich dann etwa sofort ungehemmt den Bauch mit der Familienpackung vom Discounter voll (und bekommen möglicherweise Magenschmerzen), oder gehen Sie lieber zur Eisdiele Ihres Vertrauens, um sich dort einen formidablen Ananas-Becher servieren zu lassen …?

Sehen Sie, mit den Inhalten in Blogs und bei Content im Allgemeinen ist das ganz ähnlich: Als User haben wir die Wahl. Genau das sollte man als Inhaltsanbieter dann auch stets im Hinterkopf behalten. Heute mehr denn je.


Der Autor: Andreas Quinkert ist PR-Freelancer mit den Schwerpunkten Public Relations, Content Marketing, Corporate Blog und Textredaktion. Seit 2004 arbeitet er für kleine und mittelständische Unternehmen und Agenturen. Sein PR-Blog wurde 2013 ins Leben gerufen und hat sich zu einem wichtigen Projekt entwickelt. Seit 2014 ist er Redakteur bei ZIELBAR.


Finden auch Sie, dass Zielgruppen ansprechende Inhalte verdient haben? Dann freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme! >>

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